7500 Puten in neuer Mastanlage in der Sensauer Filze – alles andere als positiv!

In einer neuen Anlage bei Frauenneuharting im Landkreis Ebersberg sollen 7.500 Puten gemästet werden. Das Landratsamt stuft sie als „landwirtschaftliche Tierhaltung“ ein und erteilte die Genehmigung. Bürgermeister Josef Singer (CSU) sagt: „Wir sehen das positiv“.

 

Freiheitsliebende Tiere in qualvoller Enge © uschi_dreiucker www.pixelio.de

©foto: uschi_dreiucker / www.pixelio.de

Alles andere als positiv finden Bettina Goldner und Waltraud Gruber diese Entwicklung zu noch mehr „Nutz“-Tieren und noch größeren Ställen –  werden doch bereits in neun Betrieben im Landkreis an die 17.000 Puten gemästet. Sie betonen, dass sie die konventionelle Putenmast, genauso wie jede andere Form der Massentierhaltung, ablehnen: Die Tiere werden dort grundsätzlich nicht artgerecht gehalten, sie werden routinemäßig mit großen Mengen Antibiotika behandelt, was zur Bildung von resistenten Keimen führt, sie werden mit Kraftfutter gemästet, das aus industrieller Landwirtschaft oder gar abgeholzten Regenwaldgebieten stammt, und ihre Gülle belastet Boden und Gewässer. Die „Nutztier“-Haltung insgesamt ist mit einem Anteil von mindestens 20% (nach neuen Studien: über 50%) am Klimawandel   beteiligt.

Laut Landtagskandidatin Waltraud Gruber müssen wir uns zurückbesinnen auf eine bäuerliche Landwirtschaft: umweltverträglich, tiergerecht und gesund. „ Durch den hohen Fleischkonsum entsteht eine „Flächenkonkurrenz zwischen Teller und Trog. Tierleid, Antibiotikaresistenz, Flächenverbrauch und Klimawandel sind gravierende Folgen. Deshalb dürfen Massentierhaltungen nicht länger privilegiert werden“, so Gruber.

Fleischkonsum sei ohnehin ungesund behauptet Bettina Goldner vom Grünen Ortsverband Ebersberg und gibt zu bedenken:„Der Verzehr von Produkten vom Tier ist mitverantwortlich für zahlreiche Wohlstandskrankheiten von Fettsucht bis zu Diabetes, verschiedenen Herz-Kreislauf-, Krebs- und Gelenkleiden, nachzulesen etwa in der größten epidemiologischen  Studie zur Ernährung, der ´China Study`“.

Für die ständig wachsende Fleischproduktion gibt es in Deutschland gar nicht genügend Abnehmer. Wegen einer nach Ansicht der Grünen verfehlten Subventionspolitik lohnt sich jedoch der Export und wurde den letzten Jahren extrem gesteigert. Beim Schweinefleisch sind wir schon Europameister.

Fünf Puten teilen sich einen Quadratmeter 

Was speziell die Putenmast angeht, so werden drei bis fünf Tiere (mit zusammen knapp 60 kg Gewicht!) pro Quadratmeter zusammengepfercht. Sie haben keinerlei Möglichkeit, ihre natürlichen Verhaltensweisen, wie Flattern, Laufen, Scharren, Graben, Sandbaden auszuleben. Damit sie sich als Folge des Dauerstresses nicht gegenseitig attackieren, stutzt man ihnen ohne Betäubung die sensiblen Schnäbel. Zur Ruhe kommen die Tiere kaum, da sie bis zu 24 Stunden beleuchtet sind, was zu vermehrter Nahrungsaufnahme und schnellerem Masterfolg führt. Dem unnatürlichen Wachstum der Muskulatur (der Kunde liebt Brustfleisch) sind das Skelett und der restliche Organismus der Tiere nicht gewachsen; über 85 % aller Puten haben gegen Ende der Mast eine verformte Beinstellung und können sich kaum mehr fortbewegen.

Beide Politikerinnen raten, man solle doch einmal bestehende Putenmastanlagen anschauen, um sich selbst ein Bild zu machen. „Als Verbraucher können wir viel tun – einfach weniger Fleisch essen!“, sagt Waltraud Gruber. Das bedeute keinen Verzicht sondern eine einfallsreiche, gesunde und kulinarische Bereicherung für den Speiseplan.

Bericht von: Bettina Goldner


 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.