Brennerbasistunnel – ein zwiespältiges Bahnprojekt

Auf Einladung der Aßlinger Grünen informierte ein Fachmann über die Auswirkung auf die Strecke München-Rosenheim. Spätestens bis Ende des Jahres erwartet Pro Bahn-Mitglied Günther Polz endlich Klarheit über die Pläne der DB-Netz zur Brennerzulaufstrecke München-Rosenheim-Brenner.

Aßlinger Bahnhof ©foto: Konrad_Eibl

„ In den nächsten 15 bis 20 Jahren wird in Aßling aber wohl nichts passieren. Die Bahn wird nach der geplanten Fertigstellung des Brennerbasistunnels 2025 höchstens mehr Züge auf der bestehenden Trasse fahren lassen. Dass später auf den Zulaufstrecken im Norden und Süden jemals neue Gleise gebaut werden, ist unwahrscheinlich.“ Deshalb sollten aus seiner Sicht gewünschte Verbesserungen an den Aßlinger Bahnsteigen weiter verfolgt werden und jetzt schon entsprechende Schallschutzmaßnahmen in Betracht gezogen werden.

Der von den Aßlinger Grünen eingeladene Referent sieht den BBT zwar kritisch, jedoch: „ So wie es derzeit aussieht, werden Österreich und Italien den Tunnel bauen. Dies und ein Ausbau der Zulaufstrecken macht aber nur Sinn, wenn es auch gelingt, tatsächlich die Güter vom Lkw auf die Schiene zu verlagern. Derzeit fehlen dazu leider Konzepte und der politische Wille, um den Mensch und die Natur erheblich belastenden Gütertransport per LKW zu reduzieren“. Die sogenannten externen Kosten des LKW-Verkehrs werden in Deutschland durch die Maut nur teilweise abgegolten. In der Schweiz ist die Maut drei mal so hoch und deshalb auch der Transportanteil auf der Schiene deutlich höher.

„Aktuell fahren etwa 260 Züge täglich zwischen Grafing und Rosenheim. Eine Verdoppelung ist technisch möglich“, so Polz . Dass eine deutlich höhere Auslastung nach der Fertigstellung des Tunnels jedoch sofort eintritt, hält er für unwahrscheinlich, zumal Güterzüge nach Italien auch über Mühldorf und Freilassing möglich wären. Grundsätzlich sei die volle Auslastung einer vorhandenen Strecke ökologisch und ökonomisch sinnvoll, bevor eine Neue gebaut würde.

Für die Anwohner sei entscheidend, dass wirkungsvolle Maßnahmen zum Lärmschutz ergriffen werdenunabhängig davon, ob es sich um eine Neubaustrecke oder das vorhandene Gleis handelt. Dazu sieht er zwei Ansatzmöglichkeiten-leisere Züge und baulicher Lärmschutz. Die deutlichste Lärmreduzierung lasse sich durch den Einsatz moderner und erheblich leiserer Fahrzeuge erreichen. „Den enormen Unterschied vor allem bei den Güterzügen kann jeder täglich selber feststellen“, so ein Zuhörer. Allein mit dem Tausch der Bremssohlen kann eine große Lärmreduzierung erreicht werden, so der Pro Bahn Vertreter. Einig waren sich Zuhörer und Referent, dass hier der Gesetzgeber gefordert sei und den Zugbetreibern strengere Grenzwerte vorgeben muss.

Ohne Lärmschutzmaßnahmen am Gleis wird es nach Ansicht des Fachmanns aber nicht gehen, wenn gleich riesige Lärmschutzwände auch nicht überall gern gesehen werden. Grundsätzlich sei eine durchdachte und an die Situation angepasste Planung und Ausführung des Schallschutzes notwendig, damit alle Menschen links und rechts der Trasse wirklich entlastet werden.

Er rät dazu, sobald die Pläne der Bahn endgültig bekannt sind, dass sich Bürger und Bürgerinnen sowie die Kommunen aktiv einzumischen, um einen optimalen Lärmschutz zu erreichen.

von: Konrad Eibl

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